Albrecht von Wertheim
Bischof Albrecht Graf von Wertheim (1398-1421)  
An der Wand des nördlichen Seitenschiffs befindet sich das Grabmal des Fürstbischofs Albrecht von Wertheim. Es wurde vom Bischof selbst bereits zu seinen Lebzeiten "vermutlich bei einem Pfälzer Künstler in Auftrag gegeben und gilt als eines der feinsten Werke des sogenannten Weichen Stiles." [1] Dieser etwa von 1400 bis 1430 herrschende Stil zeichnet sich durch vornehme, höfische Darstellungsweise und weiche Faltengebung aus.  
Die Figur des mit den Meßgewändern und Pontifikalinsignien ausgestatteten Bischofs ist von der Grabinschrift und einem Baldachin [2] mit zinnenartiger Bekrönung überhöht.
Epitaph: Bischof  Albrecht Graf von Wertheim
Die Inschrift lautet:
Epitaphinschrift: Albrecht von Wertheim (+1421)
Unter Ergänzung der abgekürzten Worte heißt der Text:
Anno domini mccccxxi mensis maji die
xix obiit Reverendissimus in xpisto pater et dominus d.
Albertus Comes de Wertheim, Episcopus huius
ecclesiae Bambergensis, cuius anima requiescat in pace.
Die Übersetzung lautet:
Im Jahre des Herrn 1421, am 19. Tage des Monats Mai, verstarb der hochwürdigste Vater und Herr in Christus, Herr Albrecht Graf von Wertheim, Bischof dieser Kirche von Bamberg. Seine Seele ruhe in Frieden.
Die Regierung Albrecht von Wertheims, der 1399 zum Bischof ernannt wurde - ober er die Bischofsweihe empfangen hat, ist ungewiß -, fiel in eine Zeit, die von Reformen der kirchlichen Verhältnisse gezeichnet war. Die Neugliederung der Diözese, die bereits seine Vorgänger zur Verbesserung der Seesorgesituation betrieben hatten, setzte er unter anderem mit der Errichtung neuer Pfarreien fort. Im Rahmen einer allgemeinen Reformbewegung in den Ordensgemeinschaften begann unter Albrecht von Wertheim auch der "Kampf um die Reform des Klosters Michelsberg" [3], der die folgenden Jahrzehnte hindurch anhalten sollte.  
Auf politischem Gebiet setzte der Oberhirte die von seinem Vorgänger begonnene Bündnispolitik mit den benachbarten Fürstbischöfen und Grafen fort, um Frieden und Sicherheit für sein Bistum zu wahren. Er begann auch mit dem Bau von Bergfried und Wehrmauern auf der Altenburg, wie sein Wappen bezeugt, das an den Bauten nachzuweisen ist. [4]  
Die Grabinschrift ist in der feingliedrigen Texturschrift des 15. jahrhunderts abgefaßt. Die wenigen Worte, die mit Majuskeln beginnen, kennzeichnen die Bedeutung des Verstorbenen: "Reverendissimus Albertus Comes (de) Wertheim, Espiscopus Bambergensis". Aus Raumgründen erscheinen einige Worte abgekürzt, wobei ein Balken einen oder mehrere vorangehende Buschstaben ersetzt, fallweise auch nachfolgende. Buchstaben am Ende eines Wortes werden durch das Kürzel 9 ersetzt (eine Ausnahme bildet "ecclesiae"). Auffallend ist die Schreibweise des Wortes "Christo" (xpo) mit griechischen Anfangsbuchstaben eine Analogie zu dem seit dem 3. Jhd. erscheinenden Christusmonogramm. [5]
Die Grabinschrift enthält somit in ihrer kurzen Form Name, Amt und Todestag des Bischofs sowie das Gebet der Kirche für ihre Verstorbenen.


  
[1]
ZEISSNER, W. u. URBAN, J.: Der Dom zu Bamberg. Kathedrale und Mutterkirche. 5. Teil der Reihe "Das Bistum Bamberg in Geschichte und Gegenwart". Strasbourg: Edition du Signe, 1997; S. 26.
[2]
Vgl. ZEISSNER, W. u. URBAN, J.: Der Dom zu Bamberg. Kathedrale und Mutterkirche. 5. Teil der Reihe "Das Bistum Bamberg in Geschichte und Gegenwart". Strasbourg: Edition du Signe, 1997; S.26.
[3]
KIST, J.: Fürst- und Erzbistum Bamberg. Bamberg, 1962 (3. Aufl.); S. 59.
[4]
PFEIL, C. von: Die Altenburg ob Bamberg. Bamberg, 1986; S. 6.
[5]
Abkürzungen:

domini (des Herrn)
pater (Vater)
dominus (Herr)
Episcopus (Bischof)
anima (Seele)
Christusmonogramm
Christos
(Christos)
Die griechischen Anfangsbuchstaben des Wortes Christus bilden das  Christusmonogramm.


Quelle:
WALZ, F.: Ausgewählte lateinische Inschriften im Bamberger Dom. (Unveröffentlichte Facharbeit im Fach Latein). Bamberg: Kaiser-Heinrich-Gymnasium, 1998; S. 4-6.